Montag, 21. Februar 2011

13. Januar 2011 – Lesung von Judith Hermann


Am 13. Januar fand eine Lesung von Judith Hermann an der Deutschen Schule statt. Da ich im Rahmen des Seminars über diese Berliner Schriftstellerin besonders gearbeitet hatte, war ich an diesem Abend sehr interessiert... und ich war nicht die einzige.

Vor der Lesung hat uns der Präsident der „Société genevoise d’études allemandes“ kurz Hermanns Karriere ins Gedächtnis zurückgerufen. Er hat sich nach den Gründen ihres Erfolges gefragt – eines der grössten der deutschen Literatur der letzten Jahre (250 000 Exemplare für Sommerhaus, später). Er hat sie wegen ihrer genau treffenden Wörter und ihrer Authentizität gerühmt. Auch seien ihre jungen Figuren die Schlüssel zu ihrer meist positiven Rezeption. Eine Begegnung mit Monika Maron war für Hermanns Anfang in der Literatur entscheidend.

Nach dieser Vorstellung hat die Schriftstellerin die Kurzgeschichte „Aqua Alta“ gelesen. Obwohl diese nicht meine Lieblingsgeschichte war, muss ich zugeben, dass sie lustiger beim Zuhören als beim Lesen wirkt. Mindestens hat das Publikum oft gelacht.

Nach der Lesung hat Judith Hermann während etwa 30 Minuten auf Fragen antwortet. Dieser Teil, dessen Hauptelemente ich im Nachfolgenden zusammenfassen werde, war der interessanteste des Abends. Hermann wurde zuerst nach ihrer Meinung über die Verfilmung ihrer Kurzgeschichten (Nichts als Gespenster, Episodenfilm von Martin Gypkens, 2007) gefragt. Ihre Antwort hat mir politisch korrekt geklungen: Sie wolle sich nicht einmischen und habe keinen Einfluss darüber, aber sie finde das Ergebnis „interessant“, „verrückt“ und etwa „vereinfacht“. Sie hat auch über die Aktualität ihrer Geschichten gesprochen. Mit dem Beispiel von „Aqua Alta“ hat sie die Entwicklung unserer Welt illustriert (keine Handys, usw.). Zwei andere Fragen behandelten das Thema des Eintritts im „Schriftstellerberuf“: Judith Hermann war Journalistin, aber sie arbeitete eigentlich nur sechs Monate beim Rundfunk. Danach bekam sie ein Stipendium der Akademie der Künste Berlin, schloss einen Vertrag mit den Fischer Verlagen ab, und mit dem Erfolg kam die Unmöglichkeit, als Journalistin vollwertig tätig zu sein. Judith Hermann war kein „Wunderkind“: Sie wollte Theaterschauspielerin werden. Obwohl sie früh und viel gelesen hatte, begann sie mit dem Schreiben erst mit Mitte zwanzig (Journalistenschule). Ihrer Meinung nach sind ihre ersten „literarischen“ Produktionen die Briefe, die sie mit 27 voll Heimweh in New York schrieb. Judith Hermann hat inzwischen mehrere Preise gewonnen. Der schönste war für sie der Hölderlin-Preis (2009, für Alice), weil er ihr Kraft während der Zeit der „Leserei und Rezensionen“ gab, und auch weil dieses Buch das ernste ist.

Die Kritiker bezeichnen Hermanns Werk als „Sound einer neuen Generation“ (Hellmuth Karasek, Der Spiegel). Sie haben sicher Recht: Sie ist eine dieser Schriftsteller, die über das Leben der 25-40-Jährigen mit Richtigkeit schreiben (Beziehungsprobleme, Sinn des Lebens, usw.) und deshalb uns bewegen.

                                                                                               Virginie Morard

Bild: Wikipedia

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen