Zum im Seminar Literarische Neuerscheinungen behandelten Buch H stellt sich vor vom Autorenduo Felix Kauf/ Michel Mettler.
H, sehr auf seine Wirkung auf seine Umfeld bedacht, ist weniger mit seiner Umwelt als viel mehr mit sich selbst beschäftigt und spricht über andere insbesondere, um sich selbst zu spiegeln. «H, weiss H, kommt als einziger Laut in allen Sprachen vor. Im Anfang, denkt H, war nicht das Wort, sondern ein gehauchter Laut, aus dem alles Weitere sich ergab.» H ist, um es mal positiv zu formulieren, «sich seiner sicher», und verfügt über ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Anders gesagt, er ist meist Ich-bezogen, selbstgefällig, selbstverliebt, selbstüberschätzend. Aber ist er nun ein Narziss oder versteckt sich darunter ein bemitleidenswert grosser Minderwertigkeitskomplex? Sicher ist H eine dankbare Spiegelprojektion («so bin ich zum Glück nicht») und liest sich darum auch so gut. Wie lebt H? Er ist allein, war nie verheiratet, lebt in einer Zweitwohnung in der Stadt in der obersten 17.Etage eines Hochhauses. Was hält er von seinem Umfeld, von den Menschen seiner Umgebung? Viel und zugleich sehr wenig: Alles lebt schliesslich für ihn; er wäre ohne sein Umfeld nichts, meint aber, sein Umfeld sei komplett von ihm abhängig und auf ihn fixiert. Sehen wir trotz allem Gemeinsamkeiten H‘s zu uns? Insgeheim wohl da und dort, an wenigen Stellen schon, im Alltag, in einzelnen Alltagsphilosophien. Eher wirkt er für uns aber lächerlich, abstossend gar oder auch mal unheimlich.
H, sehr auf seine Wirkung auf seine Umfeld bedacht, ist weniger mit seiner Umwelt als viel mehr mit sich selbst beschäftigt und spricht über andere insbesondere, um sich selbst zu spiegeln. «H, weiss H, kommt als einziger Laut in allen Sprachen vor. Im Anfang, denkt H, war nicht das Wort, sondern ein gehauchter Laut, aus dem alles Weitere sich ergab.» H ist, um es mal positiv zu formulieren, «sich seiner sicher», und verfügt über ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Anders gesagt, er ist meist Ich-bezogen, selbstgefällig, selbstverliebt, selbstüberschätzend. Aber ist er nun ein Narziss oder versteckt sich darunter ein bemitleidenswert grosser Minderwertigkeitskomplex? Sicher ist H eine dankbare Spiegelprojektion («so bin ich zum Glück nicht») und liest sich darum auch so gut. Wie lebt H? Er ist allein, war nie verheiratet, lebt in einer Zweitwohnung in der Stadt in der obersten 17.Etage eines Hochhauses. Was hält er von seinem Umfeld, von den Menschen seiner Umgebung? Viel und zugleich sehr wenig: Alles lebt schliesslich für ihn; er wäre ohne sein Umfeld nichts, meint aber, sein Umfeld sei komplett von ihm abhängig und auf ihn fixiert. Sehen wir trotz allem Gemeinsamkeiten H‘s zu uns? Insgeheim wohl da und dort, an wenigen Stellen schon, im Alltag, in einzelnen Alltagsphilosophien. Eher wirkt er für uns aber lächerlich, abstossend gar oder auch mal unheimlich.
Ist H eine Parodie auf jemanden? Auf den Schweizer, wie Perikles Monioudis von den «Schweizer Monatsheften» auf dem Buchumschlag von «H stellt sich vor» meint? Wohl eher generell auf den urbanen Mitteleuropäer. Das beschriebene Leben H‘s kann dann auch als eine Persiflage auf die bei gewissen urbanen, «hedonistischen», selbstgefälligen und –verliebten, vor allem auf den eigenen «Fun» bedachten Stadtbewohner vorherrschende Lebenseinstellung angesehen werden; vielleicht aber auch auf ein immer mehr um sich greifendes Literatur-Genre einer kaschierten Autobiographitis (man pickt 90 % aus Selbsterfahrenem, reagiert aber pikiert auf die Frage, wie weit das Erzählte mit der eigenen Biographie zu tun habe) oder auch auf die schon länger grassierende Originalitätis (egal was man schreibt, es muss unbedingt originell sein, und wenn die Suppe zu dünn wird, kann man immer noch Hegel zitieren. Der sagte übrigens «Wer etwas Grosses will, der muss sich zu beschränken wissen, wer dagegen alles will, der will in der Tat nichts und bringt es zu nichts.»).
Vielleicht sind es aber auch einfach Geschichten über H, der sich vorstellt. Am Anfang war H, und daraus lässt sich dann eine ganze Welt kreieren…
Dominik Erni
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